Kinderkrankenpflege in Deutschland

Die Entwicklung einer spezifischen Pflege kranker Kinder in Deutschland begann Anfang des 19. Jahrhunderts. Um die damals vorherrschende hohe Kindersterblichkeit zu senken, wurden eigene Kinderkrankenhäuser bzw. Kinderabteilungen gegründet, sowie Pflegende speziell für die Säuglings- und Kleinkinderpflege ausgebildet. Diese Ausbildung wurde im Laufe der Jahrzehnte stetig erweitert und mündet letztendlich in die heutige Berufsbezeichnung der Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in.

Auch die Rolle der Pflegenden in der Kinderkrankenpflege unterlag einem Wandel. Erfüllte die Kinderkrankenschwester in der Vergangenheit über viele Jahrzehnte aufgrund der räumlichen Trennung von Mutter und Kind die Rolle der Ersatzmutter, so veränderte sich seit Mitte der 1970er Jahre mit Einführung der flexiblen Besuchszeiten und dem so genannten „Rooming-in“ der Fokus der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege auf die gesamte Familie.

Aus dieser Entwicklung heraus formierte sich Anfang der 1980er Jahre die häusliche Kinderkrankenpflege. Neben der Vermeidung von Trennungstraumata und Hospitalisierung, sollte durch die Pflege in der vertrauten Häuslichkeit sowohl die Lebensqualität der kranken Kinder und ihrer Familien als auch die Förderung der elterlichen Pflegekompetenz sowie die Selbstbestimmung der einzelnen Personen gestärkt werden.

Heute definiert sich die ambulante sowie außerklinische teilstationäre und stationäre Kinderkrankenpflege als eine hochspezialisierte pflegerische Fachdisziplin, die aufgrund ihrer spezifischen Anforderungen in der Regel durch qualifizierte Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen sowohl im vertrauten Zuhause, als auch in spezialisierten Wohngruppen/Wohngemeinschaften oder in teilstationären/stationären Einrichtungen ausgeübt wird.

Ihr Ziel ist die Pflege und Begleitung von Kindern/Jugendlichen mit schweren Erkrankungen und/oder Behinderungen sowie ihren Familien/Bezugspersonen in der Entwicklung von Selbstpflegekompetenzen und in der Gestaltung von Normalität im Alltag durch alle Lebensphasen hindurch.

Das Alter der betreuten Kinder/Jugendlichen liegt zwischen wenigen Tagen und mehr als 18 Jahren – circa 44% der Kinder sind unter einem Jahr..

Aktuell haben sich in Deutschland 160 von 12.745 zugelassenen ambulanten Pflegediensten auf häusliche Kinderkrankenpflege spezialisiert. Von den 2,63 Millionen pflegebedürftigen Menschen im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes sind rund 73.900 jünger als 15 Jahre; 3256 dieser Kinder/Jugendlichen erhielten Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst, 386 Kinder/Jugendliche wurden stationär in einem Pflegeheim versorgt. In den übrigen Fällen erfolgte die Pflege ausschließlich durch Eltern oder nahe Bezugspersonen (Stand 2013 - Statistisches Bundesamt 2015). Bei diesen Zahlen gilt es jedoch zu bedenken, dass die außerklinische Betreuung von Kindern/Jugendlichen häufig von einer technikintensiven Überwachung und Versorgung geprägt ist und somit ein großer Teil der Finanzierung über die gesetzliche Krankenversicherung (SGB V) erfolgt. Die Anzahl der durch häusliche Kinderkrankenpflegedienste versorgten Kinder/Jugendlichen liegt somit um einiges höher, wird aber durch die verfügbaren Statistiken nicht erfasst (Cramer, Wingenfeld 2014).

Derzeit ist zu beobachten, dass sich zusätzlich innovative außerklinische Betreuungsformen im Sinne von Wohngruppen oder (teil)stationären Einrichtungen entwickeln und auf dem Markt etablieren, um dem individuellen Bedarf sowie den Lebensperspektiven der Kinder/Jugendlichen und ihrer Familien gerecht zu werden.

Hinweis zur verwendeten Literatur:
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