Besonderheiten in der Kinderkrankenpflege

Die außerklinische Kinderkrankenpflege ist als hochspezialisierte pflegerische Fachdisziplin von einem besonderen Komplexitätsgrad bzw. von charakteristischen Merkmalen gekennzeichnet:

  • Kinder haben aufgrund ihrer Entwicklung einen körperlichen, psychosozial und kognitiv begründeten erweiterten Betreuungsbedarf. Sie benötigen in belastenden Situationen mehr Zuwendung, Sicherheit und Rituale als Erwachsene. Sie sind auf Unterstützung bei der altersgerechten Deutung des Krankheitsgeschehens angewiesen und fordern die Auswahl geeigneter Vermittlungsmethoden sowie eine intensive psychosoziale Begleitung (Büker 2008, Köhlen 2011, Cramer, Wingenfeld 2014; auch Schiller-Specht 2013).
  • Des Weiteren sind Kinder systemimmanent mit mehreren Menschen verbunden – in der Regel sind dies die Eltern und die Geschwister. Kinder sind abhängig von der Zuneigung und Fürsorge ihrer Eltern oder anderer Bezugspersonen. Eltern sind gewissermaßen das Medium, über das Patientenorientierung gewährleistet werden kann. Dieser Blick auf die ganze Familie inkl. Information, Schulung, Beratung und Anleitung stehen im Zentrum der außerklinischen Kinderkrankenpflege und bestimmen den Pflegealltag (Koch 2005; Beier 2003; Ertl, Kratzer 2010).
  • Auch das Krankheitsspektrum in der außerklinischen Kinderkrankenpflege verweist auf Unterschiede im Vergleich zu erwachsenen Menschen und spiegelt sich in einem komplexen Pflegebedarf wider. Im Vordergrund stehen:
    • Kinder mit geistigen und/oder körperlichen Mehrfachbehinderungen (z.B. kongenitale Syndromerkrankungen, erworbene Behinderung durch Unfall etc.)
    • Neurologische Erkrankungen (z.B. Krampfleiden, Muskelerkrankungen)
    • Degenerative Erkrankungen (z.B. Leukodystrophie)
    • Atemwegserkrankungen (z.B. Broncho-pulmonale Dysplasie, Asthma)
    • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Mucoviszidose, Morbus Krabbe, Phenylketonurie)
    • Kardiologische Erkrankungen (z.B. angeborene Herzfehler)
    • Onkologische Erkrankungen (z.B. Leukämie, Hirntumor)
    • Chronische Ernährungs- und Gedeihstörungen (z.B. bei Kurzdarmsyndrom)
    • Frühgeburtlichkeit
    • Kinder mit lebenslimitierenden Erkrankungen
    • Kinder in instabilen Lebenssituationen/Frühe Hilfen (z.B. Vernachlässigung, Bindungsstörungen)

Vielfach leiden Kinder an teils sehr seltenen, schwersten chronischen Erkrankungen die den Pflegealltag durch komplexe Symptome und Problemlagen wie z.B. Beeinträchtigung der Atmung, vermehrte Sekretion, Schmerzen, Krampfneigung, Unruhe, Hyperaktivität oder Verhaltensänderungen prägen. Sehr häufig findet die Pflege im Rahmen einer außerklinischen Intensivversorgung statt (Büker 2008, Cramer, Wingenfeld 2014).

  • Hieraus folgt eine weitere Besonderheit der außerklinischen Kinderkrankenpflege im Sinne einer hohen Kontaktdichte zum Gesundheitswesen. Die schwer kranken Kinder und ihre Familien werden dauerhaft von einem vielfältigen multidisziplinären Team (Kinderklinik, Kinderärzte, Physiotherapeuten, Logotherapeuten, Ernährungsberater, SAPPV Teams etc.) versorgt und verlangen eine hohe Kooperations- und Koordinationsfähigkeit der entsprechenden Einrichtungen (Büker 2008, Cramer, Wingenfeld 2014).

Diese komplexen Besonderheiten der außerklinischen Kinderkrankenpflege verlangen eine hohe und spezifische Qualität in der pflegerischen Betreuung, die sich in den vier Grundsätzen des BHK e.V. widerspiegelt.

Hinweis zur verwendeten Literatur:
Literaturangaben.pdf (146,4 KiB)